Am 18. Januar trat ich die erste Etappe auf der Reise zu den Nordlichtern an: Mit dem Zug von Hannover zum Flughafen TXL.
In Berlin trafen sich dann meine Eltern mit mir am Flughafen zum Abendessen. Wenige Stunde später landete ich im dunklen und schneebedeckten Oslo.
Mit dem Airports, mit Wlan!, ging es in die City. Leider hatte ich die ganze Zeit kein Handynetz und so irrte ich ca. 30 Minuten Nachts um 0:30 durch den Schnee, bis ich eine Tankstelle fand, um von dort meine Freundin anzurufen. Sie holte mich anschließend von dort ab. Am nächsten Tag hatte ich Zeit Oslo zu erkunden. Die Sonne schien. Es war ein wunderschöner Tag.
Nachmittags war ich mit Derya, meine Freundin, die ich in Oslo besuchte, Philip und Freddie, Freunden von ihr, die auch mit nach Norden reisen sollten, zum Schlitten fahren verabredet.
Im Norden von Oslo gibt es eine beleuchtete Schlittenstrecke mit Blick über die Stadt und den Fjord.
An ihrem Ende ist eine Straßenbahnstation.
Hier kann man wieder zum Start rodeln. Schlitten und Helme kann man vor Ort leihen, und dann geht der Spaß los!
Anschließend haben Freddie und ich Alena vom Busbahnhof abgeholt. Nun war unsere Reisegruppe komplett. Zum Abendessen gab es Fisch und Kartoffeln und dann schnell ins Bett. Am nächsten Morgen flogen Freddie, Derya und ich schon einmal vor nach Tromsø. Tromsø ist die größte Stadt in Norwegens Norden und die Hauptstadt der Provinz Troms. Sie liegt 344km nördlich des Polarkreises bei ca. 69°. Der Polarkreis befindet sich bei 66,56° nördlicher Breite. Er begrenzt die Polargebiete. Am 21. Dezember war Wintersonnenwende, am Polarkreis ist es dann Polarnacht und die Sonne geht nicht auf. Nördlich der Polarkreise gibt es folglich mehrere Polarnächte, an denen man die Sonne nicht sieht. Da Tromsø in einem Tal liegt, verwehren die Berge den Bewohnern sogar noch länger den Anblick der Sonne.
Mit unserem Mietwagen fuhren wir schon einmal ins Hotel, Fahrer waren hauptsächlich ich und später ab und an Philip. Das goldene Hotel Quality Saga liegt direkt in Tromsø. In Tromsø gibt es ein gigantisches Tunnelsystem mit mehreren Kreisverkehren. Das hält den Verkehr aus der Stadt und die Straßen eisfrei. Für vereiste Straßen waren wir dennoch gerüstet, denn die Reifen unseres Audio A3s hatten Spikes. Kleine Metalstifte, die den Halt verbessern.
Nachmittags holten wir Alena und Philip vom Flughafen ab und besprachen unser Vorgehen für die Jagd nach den Polarlichtern, der Aurora Borealis. Borealis beschreibt dabei den Nordwind, die Polarlichter auf der Südhalbkugel werden demnach als Aurora Australis bezeichnet. Die magnetischen Pole der Erde ziehen die von der Sonne ausgehenden Elektronen, aber auch Protonen, an. Daher sieht man die Polarlichter hauptsächlich in einem Kreis um die Pole herum. Das Leuchten entsteht dadurch, dass die Sonnenwinde mit ihren Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen. Die Elektronen, Protonen und teilweise auch Ionen, von Sauerstoff und Stickstoff, regen beim Auftreffen die Luftmoleküle zum Leuchten an. Dieser Vorgang wird im Allgemeinen als Fluoreszenz bezeichnet.
Immer die Webseite der NASA im Blick, haben wir uns zusätzlich die Iphone-App Aurora Forecast geladen. Auch wichtig ist, ob der Himmel klar ist. Sendet die Sonne starke Winde aus, dauert es einige Tage bis diese die Erdatmosphäre erreichen, durch dichte Wolken hat man dann jedoch keine Chance das Spektakel zu bewundern.
Nach Rücksprache mit der freundlichen Frau von der Touristeninformationen, wollen wir uns auf die Suche machen. Ich fasse zusammen: Man benötigt einen Ort frei von unnatürlichen Lichtquellen (gar nicht so einfach mit den vielen beleuchteten Straßen im Norden), klaren Himmel, Sonnenwinde und Glück.
Da am ersten Abend im Westen Wolken waren, fuhren wir gen Osten, nach Skibotn. Über 100km, knapp 2 Stunden Fahrt über dunkle, vereiste Straßen. Da war es, ein leichtes Leuchten, die App (vom Geophysical Institute der University of Alaska Fairbanks) hatte eine Stärke (kp) von 4 vorhergesagt. Hier der Link zur Interpretation des kp. Auf dem Weg zu den Polarlichtern kamen wir an einem Rastplatz mit beheizten Toiletten vorbei, die -13,5°C erscheinen dann gar nicht mehr so schlimm. Und plötzlich immer stärkere Himmelsleuchten, grüne Bänder über dem Fjord. Wir haben sie gefunden…
Lange standen wir in der Kälte, um das Schauspiel zu betrachten.
Am nächsten Tag erkundeten wir etwas die Region. Tages Highlight, im Wahrsten Sinne des Wortes, war der allererste Sonnenaufgang in Tromsø seit Monaten.
Viel Höher als auf dem Bild dargestellt, wird die Sonne an diesem Tag auch nicht mehr kommen. Viele Autos sind zu diesem Punkt, nahe dem Flughafen gekommen, um die Sonne nach ihrer langen Abwesenheit zu begrüßen. Ein Mann mit Kind berichtet, seine Kleine könne sich schon gar nicht mehr an die Sonne erinnern…
Weiter ging die Fahrt durch Troms. Wir kamen zu einem wunderschönen zugefroren See, wo Menschen spazieren gingen und Babyschlittenhunde trainiert wurden.
Und es war noch immer sehr kalt…
Durch einen Tunnel kamen wir auf die andere Seite des Berges, mit einer fantastischen Aussicht auf den Skulsfjord.
Weiter unten Richtung Küste trafen wir dann auf diese süßen Zeitgenossen. Mehrere Babyrentiere.
Für heute Abend wurde eine High+ Activity (kp 5) vorausgesagt. Vor der Fahrt stärkten wir uns mit gratis Waffeln im Hotel.
Den ersten Stopp machten wir am Ersfjordbotn. Doch waren hier noch viel zu viele unnatürliche Lichtquellen. Kurzes checken des GPS’ und die Entscheidung viel Richtung Tromvik zu fahren.
Hier fuhren wir uns im Schnee fest. Nachdem wir ziemlich schnell mit vereinten Kräften das Auto wieder befreit hatten, entschieden wir hier auf die Lichter zu warten. Es stellte sich als Glückstreffer heraus. Mit Blick über den Fjord, umrahmt von Bergen, startet Gott seine Disko. Wir lagen bei minus 10°C auf der Straße und bekamen unsere Münder nicht mehr zu. Es ist sehr schwer das gesehene in Worte zufassen. Auch wenn Derya ein paar unbeschreibliche Bilder gemacht hat. Die Aurora tanzte über uns. Hinter einem Berg kam sie hervor, zog über uns hinweg und verschwand hinter einem anderen wieder.
Heute konnten wir auch Farben neben grün bewundern. Pink und Violett. Die Farbgebung hängt von den angeregten Atomen und der Höhe der Reaktion ab. Grünes Licht entsteht, wenn Sauerstoffatome bei ca. 100 km angeregt werden. Rotes Licht entsteht bei ca. 200 km Höhe. Violett entsteht durch angeregte Stickstoffatome, hierfür wird eine sehr hohe Energiemenge benötigt. An Tag 2 haben wir die Rotfärbung immer nur ganz kurz sehen können, aber immerhin
Im folgenden Fotos von Derya, um euch einen kleinen Eindruck von diesem einmaligen Moment zu zeigen.
Total happy, aber halb erfroren kehrten wir wieder nach Tromsø zurück.
Am Sonntag habe ich einen kleinen Spaziergang gemacht und mir Tromsø angesehen.
Über die große Brücke gelangt man zur Arctic Cathedral.
Abends waren wir dann im Tromsø Museum und haben uns über die Sami, die Geologie und Geschichte der Region und die Nordlichter informiert. Alles Zeitvertreib, bis die Jagd wieder losging. Wir waren total im Nordlichtfieber, denn für heute Abend war wieder High+ Activity vorher gesagt. Ziel der Reise dieses Mal: Sommarøy. Auch heute sollten wir nicht enttäuscht werden. Neben Bändern sahen wir auch Coronas und heute konnten wir uns vor pink und violett gar nicht retten.
Hier wieder ein paar Eindrücke von Derya.
Es war wirklich eines der schönsten Dinge, die ich in meinem Leben bis jetzt gesehen und erlebt habe. Man konnte die Energie förmlich spüren. Die Corona über uns war zum Greifen nah. In Sommarøy trafen wir Frank, einen Aurora Hunter. Er machte dieses wunderschöne Andenken für uns.
Er teilte seinen Kaffee und wir unsere Gesellschaft.
Auf dem Heimweg musste ich abrupt Bremsen, da Gott uns noch einmal mit seiner Lichtshow begeistern wollte. Erneut standen wir mit offenen Mündern Mitten in der Nacht Mitten im Nirgendwo und konnten unser Glück kaum fassen.
Die Lichter strahlten weiter in unseren Augen und wir waren überglücklich, dass Derya auf die Idee gekommen war, hierher zu kommen.
Am Montag nutzte ich den Tag zum Shoppen und ging noch in das Polarmuseum, während die anderen (3 Geologen und ein Finanzberater) sich einen Aufschluss, den wir 2 Nächte zuvor bei unserer Jagd entdeckt hatten, bei Tageslicht untersuchten.
Abends entschlossen wir uns gegen eine erneute Suche, da eine Aktivität von 2 unseren Jagdtrieb nicht weckte. Stattdessen wollten wir an unserem letzten Abend in Tromsø das Nachtleben erkunden. Tromsø ist im Übrigen eine Studentenstadt. Lange waren wir nicht aus, denn um 1:30 Uhr ging das Licht an
Am Dienstag traten wir unsere “Heimreise” nach Oslo an. Alena flog schon am frühen Morgen und bereitete liebevoll das Abendessen für uns vor.
Mittwoch war dann mein letzter Tag in Norwegen. Den Vormittag verbrachte ich mit der Besichtigung der Nationalgalerie, des Museums für Zeitgenössische Kunst und dem Architektur Museum. Am Besten hat mir die Nationalgalerie gefallen. Edvard Munchs Werke sind wundervoll. Der bekannte “Skrik” fesselt. Ich erfreute mich zusätzlich an den Werken von Claude Monet und mir noch unbekannte Werke von Christian Krohg gefielen mir gut.
Zu Mittag aß ich im Tehuset (fantastische Wraps) und anschließend fuhr ich mit dem Zug und dem Bus ins Norwegian Outlet zum Shoppen. Am Abend trafen wir uns wieder in der Wohnung von Derya. Donnerstag früh um 3:10 Uhr klingelte mein Wecker, 4 Uhr Flughafenbus, Flug nach Berlin, 8:15 gelandet. Bus zur U-Bahn, U-Bahn nach Spandau, ICE nach Hannover Hauptbahnhof, eine weitere S-Bahn und Busfahrt später war ich um 11 Uhr im Büro.
Eure Julia























