Julia abroad

Kia Ora!
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Island – dem Wetter ausgeliefert

12. September 2017 by Julia

Bei vielen bin ich bekannt als Reisende. Auf jeden Kontinent (naja fast, die Antarctic ist eine andere Nummer) habe ich bereits meinen Fuss gesetzt; ca. 50 Länder besucht. Oft war die Auswahl der nächsten Reise etwas wahllos. Was nicht weiter schlimm ist, da ich eh die ganze Welt sehen will. So ging es dann bei der nächsten Reiseplanung häufig wie folgt: „Wo war ich noch nicht?“, „Wann habe ich Zeit (geeignete Reisezeit)?“ und „Wohin gibt es günstige Flüge?“.

So kommt man schon ganz schön rum. Anfang dieses Jahrs hatte ich jedoch beschlossen, endlich auch ein paar Ziele von meiner Wunschliste zu streichen, die zum Beispiel nicht in die Kategorie erschwingliche Flüge fallen. Das Leben ist so kurz, die nächste Reise sollte immer auch ein bisschen einen langen Wunsch oder Traum erfüllen. So lange ich denken kann, hat Island eine magische Anziehungskraft auf mich gehabt. Von Deutschland erschien mir diese Reise immer unbezahlbar. Nun lebe ich in Dänemark und die Reise war jetzt nicht nur geographisch näher gekommen. Meine Freundin Marie, die ich auf meiner 3-monatigen Südamerikareise kennen gelernt habe, war mit von der Partie. Die erste Herausforderung war, einen Abend zu finden, an dem wir beide Zeit hatten, um Flüge zu buchen. Sie von Paris, ich von Copenhagen.

Ich erinnere mich noch gut. Ich war mit einem Couchsurfer beim 6-Tage Rennen in der Arena, als Marie mir schrieb, sie hätte jetzt Zeit. Ich sag ja immer, ich kaufe Flüge wie andere Frauen Schuhe und kramte in meiner Handtasche nach meiner Kreditkarte. In der einen Hand mein Bier in der anderen mein Telefon, suchten wir nach passenden Flügen. Dieses Vorgehen ist nicht zu empfehlen. Falsch eingegeben Namen können ein teurer Spaß werden. Routiniert wie ich bin – oder vielleicht ein Glückskind – lief bei meiner ersten Flugbuchung mit dem Handy zwischen jubelnden Dänen und 3 Bier im Blut alles gut. Der erste Schritt war getan. Die Reisezeit stand fest. Wir konnten uns jedoch nur eine Woche Urlaub zeitlich leisten. Da ich Anfang des Jahres bereits in Australien war und für Oktober Thailand geplant habe. Jedoch wollte ich nun endlich einmal Fuß auf die Vulkaninsel setzen (Technisch gesehen habe ich dies bereits beim Transit nach Boston, aber ihr wisst was ich meine).

Die Planung war zäh. Marie und ich zeitlich sehr eingespannt. Mein bestellter Reiseführer kam nie an. Ich war etwas besorgt adequate und erschwingliche Unterkünfte zu finden – es war ja schließlich Hauptsaison. Nun wollten wir natürlich so viel wie möglich sehen und eine Woche ist in der Tat sehr knapp kalkuliert. Eins ist klar, es war nicht mein letzter Ausflug in den Norden.

Norden oder Süden? Wir konnten uns nicht entscheiden. Ich wollte unbedingt in den Westen zum Kirkjufell.
Ein Auto muss her. Fehlende Vorbereitung und knappes Budget hatten dann die Folge, dass wir einen Kleinwagen gebucht haben. Für 1 Woche und mit mutigen Fahrstil reicht das aus. Jedoch beschränkt dies tatsächlich mehr bei Erkundungen als angenommen. Daher klare Empfehlung: Allrad.

Marie landet früh am Sonntag und ich mitten in der Nacht. Für die erste Nacht hatten wir uns Betten im Kex Hostel gebucht. Während ich am überfüllten Gepäckband auf Jo (mein Backpack) wartet, habe ich online den Transfer vom Flughafen zum Hotel gebucht. Draussen musste ich dann nur noch den richtigen Bus finden und eine knappe Stunde später war ich dann endlich im Hostel. Die Nächte sind kurz im Juli, richtig dunkel wird es nicht. Das Licht ist die ganze Nacht wie in südlicheren Gefilden während der Dämmerung.

Ziemlich zerknautscht nach nur wenigen Stunden Schlaf, klettere ich aus dem Bett und begrüßte erst einmal Marie. Clever von mir geplant, ist die Autovermietstation nur 90 Meter vom Hostel entfernt. Über eine Stunde warteten wir auf unseren kleinen Flitzer.

Für den ersten Tag hatten wir uns den Golden Circel vorgenommen. Wie erwartet touristisch sehr überlaufen. Die isländischen Fluggesellschaften bieten alle Stopovers an und der Golden Circel ist ein sehr beliebter Tagesausflug für Durchreisende.

Nichtsdestotrotz sehr sehenswert! Es folgen ein paar Impressionen.

Kerið Crater Lake

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Gulfoss Wasserfall.

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Geysir. Dieser Ort ist namengebend für geothermale Quellen dieser Art. Nicht zu Unrecht:

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Das letzte Highlight des Golden Circels war das aufeinander treffen der amerikanischen und europäischen tecktonischen Platten.

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Das Wetter hat fabelhaft mitgespielt an unserem ersten Tag. Als wir Abends in Selfoss ankamen, regnete es bereits. Wir haben im Selfoss Hostel übernachtet.

Da alle vor den hohen Lebensmittel kosten gewarnt hatten und ich als vegan essender Mensch auch etwas vorausschauend aufs Essen blicken sollte, hatten wir von daheim Essen mitgebracht. Sodass ich uns an diesem Abend ein leckeres Risotto gezaubert habe.

Wie sich herausstellte, regnete es sich fabelhaft ein. Schnelle ins Auto und zum Discount Supermarkt Frühstück holen. Wir stehen vor verschlossenen Türen. Bonus der Supermarkt mit dem großen rosa Schwein macht erst um 11 Uhr auf. Ok, zurück durch den Regen rennend ins Auto. Mit der Tankstellenbonuskarte, die unsere Autovermietung uns ins Handschuhfach gelegt hat, bekomme wir wenigstens gratis Kaffe an der nächsten Tankstelle. Apropos nächste Tankstelle, ab sofort heisst es die Entfernungen uns Tankanzeige gut im Blick zu behalten.

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Wie ihr vielleicht aus vorherigen Posts wisst, ich liebe Wasserfälle. Island ist das Paradise auf Erden wenn es darum geht. An jeder Ecke einer. Durch den Regen besonders mächtig und schön anzusehen.

Zuerst halten wir am Seljalandsfoss. Ein wunderschöner Wasserfall, hinter den man gehen kann. Es stürmt. Die Autotür halte ich mit aller Kraft fest und wir gehen durch den Regen hinüber zum Fall. Es dauert nur weniger Minuten, bis meine Fjällräven-Hose komplett durchnässt ist. Die Regenjacke ist dicht.

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Der Wind bläst uns fast von der Straße. Die Qualität der Ringstrasse ist gut, jedoch ist sie schmall. Schafe und Radfahrer ist gewähr zu geben, einen Standstreifen gibt es nicht.

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Nachdem ich meine durchnässte Hose auf der Rückbank erfolglos zum Trockenen abgelegt habe, fuhr ich in Shorts weiter. Es ist ja eigentlich auch Sommer. Das war ein ganz schöner Hingucker, als wir bei Skógafoss ankamen. Hab wohl doch Vikingerblut in mir.

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Ans Nasssein gewöhnt man sich auch hier, ist fast wie zu Hause in Dänemark.

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Die Wanderung zum Sturz des Falls sparen wir uns bei dem Wetter. Weiter geht es zu unserer Unterkunft auf halber Strecke zwischen West- und Ostküste.

Wir fahren von der Ringstrasse ab und gelangen über unbefestigten Strassen zu der Herberge, dir wir fix über booking.com beim Warten auf unsere Auto gebucht hatten.

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Mittlerweile hat man das Gefühl sich Unterwasser zu bewegen. Der Regen kommt von allen Seiten. Es ist nur grau. Als wären wir im Auto und in der Unterkunft in einem U-Boot gefangen. In der Unterkunft präsentiert man uns stolz ein Fotobuch mit einem nah gelegenen Canyon. Sah nett aus, nur wollten wir bei dem Wetter nicht mehr raus. Im Zimmer legten wir uns für ein kurzes Schläfchen hin. Ich war erschlagen. Nur wovon, die frische isländische Luft, das hochkonzentrierte Fahren durch den Sturm? Egal, für den Rest des Tages bleiben wir in unserem U-Boot.

Den Wetterbericht im Blick und einer Aussicht auf weniger Regen im Osten, verließen wir zeitig die Unterkunft und fuhren weiter. Den Canyon könnten wir uns noch immer auf dem Rückweg bei besseren Wetter ansehen, dachten wir.

Ehrlich gesagt, wusste ich nicht, was uns die nächsten Kilometer noch so erwarten wird. Es heisst man kann Gletscher vom Straßenrand sehen. Nun habe ich auf meinen Reisen schon so viele Gletscher gesehen, dass ich nicht erwartet habe zu sehr aus dem Häuschen zu geraten. Weit gefehlt. Die südliche Ringstrasse ist atemberaubend, durch das grau und den noch immer starken Regen, konnten wir zwar teilweise nur Annahmen über die volle Schönheit machen, jedoch waren wir ganz verliebt in dieses Land.

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Anhalten, Staunen, Weiterfahren.

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Und da war Sie. Die kristallene Märchenwelt der Gletscher Lagune. Ich war einen Moment sprachlos und in Ehrfurcht vor der Schönheit und der Klimaerwärmung, die dieses Schauspiel traurigerweise noch schöner machte.

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Ich machte einen kleinen Spaziergang zum Strand. Dem schwarzen Lavasandstrand an dem die Wellen mit den Jahrhunderte alten Eisbrocken spielten.

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Wir hatten eine lange Tagesetappe vor uns, es fiel uns jedoch schwer uns von diesen magischen Ort zu lösen.

In Höfn angekommen bezogen wir unsere Unterkunft. Die Sonne war zurück. Schnell ins Auto und die Gegend erkunden. So lange das Wetter gnädig mit uns ist.

Ein Snack in der Sonne mit unseren neuen Freunden.

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Etwas nördlich von Höfn ist ein altes Vikingerdorf, ein Filmset. Viel von dem kleinen Ort hat sich jedoch wieder in einer grauen Wolke versteckt, als wir aus dem Auto stiegen.

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Durch einen schwarzen Sandsturm suchen wir unseren Weg zurück in den Ort, um das erste mal Abendessen zu gehen. Zum Dinner gab es Bier aus Gletscherwasser gebraut. Das hat schon sehr gemundet, vor allem nach einem langen Tag im Auto.

Die Sonne weckt uns und wir haben viele Pläne für die Reise zurück Richtung Reykjavik. Vieles was wir durch das grausame Wetter nicht wirklich sehen oder auch aus Sicherheitsgründen erkunden konnten. Eine Unterkunft für diese Nacht hatten wir noch nicht. Wir wussten noch nicht genau, wie weit wir es schaffen werden.

Das Land war ohne starken Regen und mit Sonnenschein kaum wieder zu erkennen. Die abwechslungsreiche Ringstraße zeigte sich von ihrer besten Seite.

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Vorbei an den Gletschern und der Lagune, bogen wir wieder bei unserer Halbweg-Unterkunft ab und arbeiteten uns eine unbefestigte, sehr abenteuerliche Strasse herunter zum Fuße des besagten Canyons. Auf einer Brücke machten wir Picknick bevor wir zur Wanderung aufbrachen. Viel Spaß beim Versuch den Namen des Canyons auszusprechen: Fjaðrárgljúfur.

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Erneut wurden meine Erwartungen übertroffen. Wir sahen uns an und wahren uns still einig darüber, dass wir Glück hatten zu diesem Ort zurückkehrt zu sein.

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Am Ende der Wanderung ein wunderschöner Wasserfall.
Weiter geht es, an Jeeps und Wohnmobilen vorbei, kämpfe ich mit dem Kleinwagen mich wieder den isländischen Staubweg hoch.

Weiter zu einem Stop, den wir auch wegen des Sturms vor 2 Tagen nicht besichtigen konnten. Bei unserem ersten Versuch mussten wir im Auto bleiben. Als wir dort einen Snack vor dem Weiterfahren zu uns nahmen, schwankte der Kleinwagen so stark, dass ich befürchtete jeden Moment mit dem Auto über den Parkplatz zu Rollen. Ähnlich wie in diesen Western das Gras durch die Prärie weht, nur mit Regen, viel Regen.

In Vik konnten wir heute jedoch die atemberaubenden Felsformationen sehen.

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Im Meer standen dazu auch noch die schwarzen Geschwister der australischen 12 Apostel.

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Eine weitere abenteuerliche und windige Fahrt den Berg hinauf, wurde mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Glücklicherweise, wurden wir nicht vom Berg geweht.

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Vorbei an den Wasserfällen beschlossen wir kurzer Hand, die fehlende Wanderung nachzuholen.

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Wir kamen spät in unserem gemütlichen Gasthaus fernab der Ringstrasse an.

Die Region war menschenleer und die Straße wurde unerwartet wieder zur Herausforderung. Wir wurden jedoch mit einem sehr schönen „händehaltenden“ Wasserfall belohnt.

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Bevor es zurück nach Reykjavik ging, wollten wir noch den Südwesten der Insel erkundigen.

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Heiße Quellen und ich war zu faul noch einmal zum Auto zu gehen meine Schuhe zu wechseln. War ziemlich rutschig, habe es jedoch ohne Sturz überstanden.

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Durch eine schwarze Mondlandschaft ging es zurück in die Zivilisation.

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Im Likorstor gab es ein Bier für den Feierabend und wir waren nun zurück im Kex Hostel.

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Müde von vielen Kilometern und den Wunsch morgen den Westen zu erkunden, waren wir jedoch früh im Bett.

Der Westen ist eine ambitionierte Tagestour, besonders, wenn man abends noch Tickets für die Blaue Lagune hat. Jedoch wollte ich doch unbedingt zum Kirkjufell.

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Vorbei an Schiffwracks, Vulkanen und wundersamen Wolken, war es endlich soweit:

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Sehr zufrieden fuhren wir dann zur Blauen Lagune. Um ehrlich zu sein, wollte ich da nicht unbedingt hin. Jedoch war ich bereit Marie zu begleiten. Natürlich war der Regen zurück. Es war schlimmer als erwartet. Massentouristenabfertigung in seiner fortgeschrittensten Art.

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Einen Prosecco und eine Schlammgesichtsmaske später, fuhr ich Marie zu Ihrem Hostel nah dem Flughafen. Ihr Flug ging früher als meiner. Ich wollte mir am Sonntag noch Reykjavik ansehen und blieb die Nacht im Kex.

Die Nacht war noch jung und so beschloß ich auszugehen.

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Man beachte das Wahrzeichen von Reykjavik im Hintergrund.

Am nächsten Morgen machte ich noch einen kleinen Spaziergang, bevor mich der Bus zum Flughafen abholte.

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Etwas müde von der letzten Nacht und ca. 2.000 km die ich uns über die Insel gefahren habe, buchte ich meinen Transfer etwas optimistisch. 7 Minuten vor Gepäckabgabeschluss lag mein Rucksack auf dem Band. Das ging noch einmal gut und wenige Stunden später war ich wieder in Dänemark.

Und wenn wir gerade von kalt reden, kann ich euch folgendes Buch ans Herz legen. So spannend, man mag es gar nicht mehr weg legen: In eisige Höhen.

Posted in Reisen, Travel Knowhow |

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