Mediensucht, Flow- Erlebnis und Instant Messangers

Ich hörte heute, am zweiten Tag der Fortbildung, einen sehr guten Vortrag zur Mediensucht:
Referant war Alexander Groppler von der Mediensuchtberatung MeckVopom. Er klärte systematisch über dieses Themenfeld auf. Welche Schwierigkeiten es in der Erforschung gibt:
Es gibt keinen erkennbaren Suchtstoff bzw. andere biochemische Vorgänge wie bspw. der Alkohol- oder Drogensucht und es gibt keine verbindliche Begriffsdefinition! Aber bei der Diagnose werden klassische Suchtkriterien angewandt, weil man von der phatologischen Glücksspielsucht ableiten kann. Phönomonologisch ähnelt die Mediensucht den stoffgebundenen Süchten und es gibt eindeutige neurophysiologische Befunde.
Er stellt auch klar, dass die Mediensucht ein Sammelbegriff für:
Handy-, TV-, Computer-, Online-, Chat-, PC-Spiel- und MMORG – Süchte ist.
Natürlich beantwortet er auch die Frage: Wovon wird man süchtig?

In den Bereichen der Kommunikation und beim spielen kann es zur Sucht kommen, da es zu einer Vernetzung von Aktivitäten, Umständen und Gerätschaften kommt.
Nicht das Medium sondern die spezifische Tätigkeit die exzessiv ausgeübt wird, wird dann zum Problem.
Warum ist das so? Weil die Faszination der Medien eine sehr starke ist:
Interaktivität, Strukturelle Kopplung zwischen User und Medium, Flow- Erlebnis (man verschmilzt, besonders bei games), Stimmungsmanagement, Identitätswechsel, Soziale Kontakte und all das dient der Bedürfnisbefriedigung in der VR.
Was sind nun die Kriterien zur Diagnose Mediensucht?
Verlangen, Kontrollverlust, Entzugserscheinungen, Toleranzentwicklung, anhaltender exzessiver Konsum trotz nachweisbarer eindeutig schädlicher Folgen und Einengung des Verhaltensraumes.
Was macht die Sucht mit uns? Es kommt zu sog. Komorbiden Störungen wie, Angst, Depression, Persönlichkeitsstörungen (Narzismus), ADHS, Essstörungen und andere stoffgebundene Abhängigkeitserkrankungen.
Man schätz derzeit eine Prävalenzrate von 3% der Bevölkerung, d.h. es gibt eine sechsstellige Zahl an Betroffenen Kranken!
Das Therapieziel bedeutet für die Patienten eine sog. Teilabstinenz vom Medium und die völlige Aufgabe der exzessiven Tätigkeit, meistens des spielens.
Leider konnte der Referent keine Antwort darauf geben, in welchem Zusammenhang das mit Email- oder RSS Junkies steht…

Nach der Pause ging ich in den Workshop Chatten, Messaging mit Schülern – Zumutung oder neue Vetrauensbildung? Der Vertrauenslehrer der Bettina- von- Arnim Gesamtschule in Berlin, Herr Heino Blumenthal, leitete diese Runde. Ich kann nur den Hut ziehen vor diesem Mann, der sich auch nach dem eigentlichen Unterricht mit seinen Schülern beschäftigt, mit ihnen über die Instant Messangers kommuniziert und immer ein offenes Ohr für sie hat. Und das Entscheidende: er begegnet ihnen auf gleicher Augenhöhe!
Nach den Erfahrungsberichten von Lehrern beider Fraktionen, also die – ich hab ja soviel zu tun Fraktion und die – na klar antworte ich auf Emails meiner Schüler und klar haben die meine Handynummer Fraktion, muss ich festellen, auch wenn ich mich damit unbeliebt mache, ist: < em>Das Problem von Medienkompetenz respektive Medienpädagogik liegt in der Schule und ist eng, sehr eng mit der nicht vorhandenen Motivation des Lehrkörpers verbunden.

Update 12.12.07: http://www.wortgefecht.net/netzkultur/risiko-onlinesucht/

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